Da beigefarbene Kalksteine im Mittelpunkt stehen, betrachten wir die klar erkennbaren Merkmale mangelhafter Qualität in dieser Gesteinsgruppe.
Die wichtigsten Anzeichen minderwertigen Steins sind:
Offene, nicht mineralisierte Stylolithnähte
Typisch sind kleinste Hohlräume entlang der Nähte, aus denen Ton und Eisenoxide herausgebrochen sind (Abb. 1). Solche Stufen lassen sich mit dem Fingernagel ertasten. Nicht nur die Vorderseite, sondern auch die Seitenflächen einer Platte müssen geprüft werden (Abb. 2), denn Risse und offene Stylolithen werden an der Sichtfläche gelegentlich kaschiert und sind für Laien schwer zu erkennen.
Mit witterungsbeständigen Mineralen, meist Calcit, gefüllte Stylolithnähte brechen bei der Werkbearbeitung nicht aus; auch die Politur bleibt erhalten. Solcher Stein kann für Bekleidungen geeignet sein.
🔍Abb. 1: Offene, nicht mineralisierte Stylolithnähte in marmoriertem Kalkstein
🔍Abb. 2: Offene Stylolithnähte in marmoriertem Jura Beige aus Deutschland
Kavernen und Aufhellungen
Fällt die Schnittebene mit einer Stylolithnaht zusammen, können flächige Ausbrüche, Kavernen und Hohlstellen entstehen. Diese Bereiche nehmen keine Politur an und lassen sich nicht dauerhaft reparieren (Abb. 3). Kavernen und Aufhellungen sind weitere Merkmale schlechter Qualität; solcher Stein sollte nicht in Bekleidungen gelangen.
🔍Abb. 3: Kavernen, Hohlstellen und Aufhellungen in minderwertigem Jura Beige aus Deutschland
Calcitadern
Manche beige und braune marmorierte Kalksteine enthalten Calcitadern. Anders als Stylolithen und Risse verursachen sie keine Stufen oder Vertiefungen und sind mit Taster oder Profilometer nicht erkennbar, optisch jedoch gut sichtbar. Meist bestehen sie aus weißem oder dunkelgrauem grobkörnigem Calcit (Abb. 4), selten mit Rosatönen.
Ultraschalluntersuchungen zeigen, dass Calcitadern allein die Festigkeit nicht zwangsläufig verringern; sie verändern vor allem Optik und Textur. Mitunter wird angenommen, sie seien bei der Bearbeitung—besonders auf der Baustelle—die schwächste Stelle.
Beim Zuschneiden könnte das Sägeblatt demnach an der Calcitader einen Bruch auslösen und die Jura-Platte unbrauchbar machen.
🔍Abb. 4: Bruch einer Jura-Fassadenplatte beim Zuschnitt auf der Baustelle
🔍Abb. 5: Plattenfragmente, die angeblich entlang einer Calcitader abbrachen
Zahlreiche kontrollierte Sägeschnitte an ausgewählten Jura-Rohplatten mit vielen Calcitadern bestätigten dieses Problem jedoch nicht.
🔍Abb. 6: Sägeblatt beim Durchtrennen einer Calcitader
Große Fossil- und Schaleneinschlüsse
Beige und graue marmorierte Kalksteine enthalten häufig fossile Schalen. Sie sind ein charakteristisches Merkmal des Jura-Steins und bewahren Spuren jurazeitlicher Meereslebewesen. Meist handelt es sich um rekristallisierte, teilweise dunklere Calcitbereiche.
Solche Einschlüsse können die Festigkeit unverändert lassen oder die Dauerhaftigkeit deutlich mindern. Entscheidend ist die Kornstruktur des Calcits. Grobkörniger Calcit kann mit der Zeit ausbrechen (Abb. 7 oben); entspricht die Struktur der umgebenden Matrix, bleibt die Lebensdauer der Platte unbeeinträchtigt (Abb. 7 unten).
Steinliebhaber schätzen Fossilien als Ausdruck natürlicher Herkunft und Individualität. Weniger erfahrene Betrachter empfinden sie mitunter als Unterbrechung der Zeichnung. Ob solche Platten eingebaut oder aussortiert werden, ist daher auch eine gestalterische Entscheidung des Auftraggebers.
🔍Abb. 7: Fossile Muscheleinschlüsse in beigen Kalksteinen
Oben: Kalkstein aus Nordafrika; der fossile Schaleneinschluss ist nicht dauerhaft.
Unten: Jura Beige aus Deutschland; der fossile Schaleneinschluss beeinträchtigt die Dauerhaftigkeit der Platte nicht.
Sulfideinschlüsse
In Kalksteinen aller Art, auch beigen Sorten, treten kleine dunkelbraune Punkte auf (Abb. 8). Diese meist nur wenige Millimeter großen Flecken bestehen aus Limonit, einem Sammelbegriff für Aggregate dreiwertiger Eisenhydroxide [Fe₂O₃·nH₂O]. Sie entstanden vor Millionen Jahren durch oberflächennahe Oxidation von Pyrit (FeS₂) im später abgebauten Gestein.
Braune Eisenhydroxidränder können den ursprünglichen Pyritpunkt um das Drei- bis Vierfache übertreffen. Limonit ist unter Witterung stabil; die Flecken verändern sich im eingebauten Stein nicht. Sie kontrastieren jedoch mit dem Grundton und mindern lokal die dekorative Gleichmäßigkeit. Mitunter werden sie fälschlich als aktive Roststellen angesehen, die sich im Regen auswaschen und Kavernen oder Fahnen bilden würden.
Limonit muss daher von seinem Ausgangsmineral Pyrit unterschieden werden. Pyrit kann tatsächlich rosten und den Stein schädigen. Er kommt vor allem in graublauem Jura-Kalkstein der Schichten 1 bis 6 vor; verantwortungsbewusste Hersteller empfehlen diese Lagen bewusst nicht für Außenanwendungen.
🔍Abb. 8: Sulfideinschlüsse in beigefarbenem Kalkstein
Geoden und Sekretionen
Kalksteine enthalten nicht selten Geoden und Sekretionen. Eine Geode ist meist ein rundlicher Hohlraum, teilweise oder vollständig mit fein- oder grobkristallinem Mineral gefüllt. In beigem Jura-Kalkstein bestehen diese Bildungen gewöhnlich aus Calcit (Abb. 9). Bis 10 cm Durchmesser spricht man von Geoden, größere Gebilde werden als Sekretionen bezeichnet.
Eine Geode über 20 mm in einer Bekleidungsplatte gilt als Fehler; die Platte wird nicht eingebaut. Kleinere Hohlräume können mit dauerhafter, farblich passender Spachtelmasse geschlossen werden. Trotzdem mindern solche Bildungen Erscheinungsbild und Dauerhaftigkeit. Platten mit Geoden oder Sekretionen sind für Bekleidungen nicht zu empfehlen.
🔍Abb. 9: Geode in beigefarbenem Kalkstein
Risse in beigefarbenem Kalkstein
Bei Bekleidungsarbeiten findet gewöhnlich eine Eingangskontrolle statt. Jura-Platten mit Rissen dürfen nicht eingebaut werden. Ausnahmen entstehen, wenn ein Riss erst durch nachlässige Montage oder Transportschäden am Einbauort verursacht wird.
Risse müssen sicher erkannt und betroffene Platten rechtzeitig aussortiert werden. Ein Riss unterbricht den Gesteinsverband und verändert an dieser Stelle gewöhnlich die Farbe (Abb. 10). Gerade dünne Linien oder Striche sollten genau betrachtet und auf eine fühlbare Stufe geprüft werden: Mit Stufe handelt es sich um einen Riss, ohne Stufe eher um eine Ader.
🔍Abb. 9: Risse in beigefarbenem Kalkstein
Diese Hinweise helfen, offensichtliche Fehler aus Natursteinbekleidungen fernzuhalten und Probleme beim Kauf von unzuverlässigen Lieferanten zu vermeiden.
Für Außenbekleidungen reicht eine Sichtprüfung dennoch nicht aus. Laboruntersuchungen der physikalisch-mechanischen Eigenschaften sind zwingend erforderlich—dies ist Gegenstand eines weiteren Beitrags.
